Gegen generelle, langfristige Ausgangssperren zur Bekämpfung der Corona-Krise hat sich der Stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Wolfgang Greiner, ausgesprochen.

Man dürfe im Gegenteil den Zeitpunkt nicht zu weit aufschieben, bis soziale Kontakte in Maßen wieder zugelassen würden, sagte der Gesundheitsökonom der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.).  Denn da es an Impfstoffen fehle, müsse auch „der vorsichtige Aufbau einer Herdenimmunität dabei helfen, die Krise zu überwinden“.

Eine auf Dauer möglichst niedrige Neu- Ansteckungsrate könne deshalb „gar nicht unbedingt das Ziel sein“.  Man werde sich vielmehr „auf unterschiedlichste Formen“ sozialen Abstandhaltens einstellen müssen. Statt die gesamte Bevölkerung solle man besser gezielt die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen isolieren, insbesondere Ältere und Vorerkrankte.

„Denkbar wäre eine Ausgangssperre für Personen über 70 Jahre.“  Wichtig sei dabei aber eine soziale Unterstützung der Betroffenen zu organisieren, die über die Versorgung mit Lebensmitteln hinausgehe.
Aktuell fürchtet der Gesundheitsökonom einen Wettbewerb der Länder, „wer die einschneidensten Beschränkungen sozialer Kontakte durchsetzt, um als besonders kraftvoller Krisenmanager zu gelten“. Volkswirtschaftliche Auswirkungen einer lange andauernden strikten Abschottung  könnten „im Extrem ein Jahrzehnt lang die wirtschaftliche Entwicklung stark einschränken“, sagte der Ökonom.